Der Synodale Prozess – erste Ergebnisse

Was sich Tirols Gläubige vom Vatikan erwarten – Ergebnisse liegen vor
Papst Franziskus hatte im Herbst 2021 für Oktober 2023 zu einer Synode in Rom einberufen. In Vorbereitung darauf hat er alle Christinnen und Christen weltweit eingeladen, das Leben als Kirche vor Ort in den Blick zunehmen und sich konkret an dem synodalen Prozess zu beteiligen.

Diözese Innsbruck
Auch die Diözese Innsbruck hat sich daran beteiligt und alle interessierten Menschen eingeladen, Anliegen und Erfahrungen einzubringen. Obwohl die Fragestellung für Einzelne und für die pfarrlichen Gremien etwas sperrig formuliert waren, haben sich überraschend viele Frauen und Männer den Fragen gestellt und klare Vorstellungen über die „Kirche von morgen“ deponiert. Die Ergebnisse der synodalen Befragung wurden beim „Vorsynodalen Treffen“ am 26. Februar 2022 präsentiert. Ziel der ganztägigen Veranstaltung mit 50 TeilnehmerInnen war es, die Ergebnisse zu besprechen, um sie einerseits für den weltweiten synodalen Prozess aufzubereiten und andererseits konkrete Handlungsziele für die Diözese Innsbruck abzuleiten.

Rückmeldungen
Aus den vielen Rückmeldungen haben sich 15 konkrete Themenkreise herauskristallisiert. Dabei geht es vor allem um die Stellung der Frau in der Kirche. Das Frauenpriesteramt soll eingeführt und die Zulassung von Frauen zum Frauendiakonat gefördert werden. Nicht überraschend war auch die Forderung, den Pflichtzölibat abzuschaffen; Priester sollen frei darüber entscheiden können. Auch die Neubewertung der Sexualmoral war den Befragten ein wichtiges Thema. Viele der Themenkreise sind mit dem seinerzeitigen Ergebnis des 1995 durchgeführten Kirchenvolksbegehrens ident.

Neue Ansatzpunkte
Nicht unbedingt ganz neu, aber präziser formuliert wurde unter anderem die Forderung, neue Gottesdienst- und Liturgieformen zu gestalten und zu ermöglichen, damit auch Jugendliche verstärkt angesprochen werden können.
Weiters soll Kirche den Menschen offen und auf Augenhöhe begegnen, ihnen zu- und hinhören („mehr fragen und weniger antworten“), mit einer verständlichen Sprache sprechen und sie ernst nehmen. Wichtig sei auch, so die Meinung von vielen Eingaben, dass die Mitentscheidung von Laien kirchenrechtlich verankert gehört. Und dass es generell bei kirchlichen Entscheidungen einer größeren Transparenz bedarf.

Synodalität
Der Prozess betrifft nicht nur die Basis, also Pfarrgemeinde- und Pfarrkirchenräte, sondern auch Priester, Diakone und die hautamtlich Tätigen, die pfarrlichen Gruppen sowie die diözesanen Gremien. Niemand soll sich dem synodalen Prozess entziehen.

Schlussfolgerung
Synodalität hat viel mit persönlichen und institutionell gelebten Haltungen sowie mit gewachsenen Strukturen zu tun. Durch den synodalen
Prozess werden diese deutlich, müssen sich aber hin zu mehr Offenheit
für die Beteiligung und Mitbestimmung aller entwickeln. Synodalität setzt zum einen ein hohes Maß an Eigenverantwortung und die Bereitschaft voraus, sich im kirchlichen Leben einzubringen. Ein Wandel von einer immer noch weit verbreiteten Priesterzentriertheit hin zu eigenverantwortlichem Engagement
ist essenziell.
In diesem Sinne hat die Diözese Innsbruck die wesentlichen Punkte als Ergebnis an die Bischofskonferenz weitergeleitet und ist hoffnungsfroh, dass die Antworten einen positiven Effekt auf die Frage „Wenn Kirche Zukunft haben soll, was muss geschehen“ haben werden.

P.S.: Ausführliche Informationen zum Synodalen Prozess finden Sie auf der Homepage der Diözese Innsbruck (www.dibk.at)

Dr. Federico Zogg (Pfarrgemeinderat)


Bis zum 31. Jänner hat die Diözese Innsbruck eigeladen, sich am Synodalen Prozess zu beteiligen und Anliegen und Erfahrungen zu diesen Themen zu teilen. Mehr als 1.000 Personen und Gruppierungen sind dieser Einladung gefolgt.

Auch im Seelsorgeraum Westliches Mittelgebirge haben sich die Pfarrgemeinderäte in jeweils eigenen Sitzungen Gedanken gemacht.
Dabei gab es zwei große Schwerpunkte:
1) Auf die Frage: „Wenn Kirche Zukunft haben soll, was muss geschehen?“ sind z.B. folgende Antworten formuliert worden:
– Freie Wahl zwischen zölibatärer und nicht zölibatärer Lebensform für Priester
– Völlige Gleichberechtigung von Frauen in allen kirchlichen Gremien
– Erneuerung und Anpassung der liturgischen Sprache an die heutige Zeit
Diese und  weitere Anliegen werden nun von der Diözese zusammengefasst und an die Österreichische Bischofskonferenz weitergeleitet. Bleibt zu hoffen, dass diese, Großteils ja bekannten und langjährigen Forderungen, von der Synode in Rom tatsächlich aufgegriffen und umgesetzt werden.
2) Auf die Frage: „Was können wir in unserem Seelsorgeraum bewirken?“ sind eine Vielzahl an Ideen eingebracht worden. Diese, und die Ergebnisse der jeweiligen PGR-Klausuren, werden den künftigen Pfarrgemeinderäten als Diskussionsbasis für die Umsetzung in der kommenden Legislaturperiode übergeben. Ansätze zum lokalen Synodalen Prozess könnten dabei sein: Pfarrversammlungen abhalten, Öffentlichkeitsarbeit verstärken, Weggemeinschaften weiter entwickeln, die Präsenz der Kirche in den Lebenswelten der Gläubigen verstärken, Beziehungen stärken, neue Wege der liturgischen Angebote gehen, usw.


Der synodale Prozess
Im Jahr 2023 wird in Rom eine Bischofsynode zum Thema „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Teilhabe und Sendung“ stattfinden.

Der Weg beginnt mit dem Zuhören.
Auf Diözesanebene soll ein breiter Prozess des Zuhörens stattfinden. Die vielen Stimmen, Wortmeldungen usw. werden gesammelt und in der Form eines gemeinsamen Textes in die Weltkirche eingebracht. Dazu haben die Diözesen eine Befragung zum synodalen Prozess gestartet.

Wie lautet das Ziel?
Das Ziel ist eine Kirche, die innerhalb einer verunsicherten, vielfach verwundeten Zeit und Gesellschaft besser als bisher Gemeinschaft aufbauen kann, Teilhabe ermöglicht und ihre Sendung im Sinne der Frohbotschaft Jesu mit neuer Freude lebt.

Was kann ich dazu beitragen?
In den Kirchen und in den Pfarrbüros liegen Zettel auf mit der einfachen Frage: „Wenn die Kirche Zukunft haben soll, was muss geschehen?“ Diese bitte ausfüllen und die Antworten anonym in einen dafür eigens aufgestellten Postkasten in der Kirche einwerfen. Alle Formulare werden dann am Ende der Befragungszeit von den Pfarrgemeinderäten gesichtet und nach Themenschwerpunkten gebündelt an die Diözese übergeben. Diese leitet die Unterlagen an den Papst nach Rom weiter.