| 23. Jänner - Der Sel. Heinrich Seuse |
|
|
Heinrich ist der Sohn einer Dulderin, einer stillen, heiligmäßigen Mutter, die unter dem rohen, nur auf Geld und Genuss bedachten Sinn ihres Gatten Heinrich von Berg schweigend leidet. Während seiner Kindheit sieht er erfüllt von Kummer den Zwiespalt, der die Ehe der Eltern und das Familienleben verdarb. Aus Liebe zu seiner Mutter nennt er sich auch nicht mit dem Vaternamen, als er mit 13 Jahren in das Dominikanerkloster zu Konstanz eintritt, sondern er nimmt „Seuse“, den Namen der Mutter, an. Vom täglichen Anblick des häuslichen Lebens befreit, wird er ein munterer und lebensfroher Student, der sich um die Pflichten des Mönchtums wenig Sorgen macht. Mit 18 Jahren wendet er sich plötzlich von allem ab, was sein Herz bisher entzückt hatte. Wie von einer starken Hand geführt, die einen herumreißt, erkennt er die Kehrseite der Dinge und er fühlt in sich selbst ein großes Ungenügen. Etwas anderes, schien ihm, müsse sein Herz zum Frieden bringen und er spürte das Verlangen, sich rückhaltlos in Gottes Arme zu werfen. Um sich von aller Anhänglichkeit an das Geschaffene zu befreien, trägt er 20 Jahre lang eine eiserne Kette um den Leib. Diese Bußübung war für die Entwicklung seines inneren Lebens von großer Wichtigkeit, in dem er bedacht war, in die Sphären mystischer Gotteserkenntnis aufzusteigen. Im vierzigsten Lebensjahr gibt Heinrich die harten Bußübungen auf und widmet sich neben der Schulung seiner Mitbrüder in Konstanz mit großem Eifer der Seelsorge. In dieser Zeit entsteht auch sein „Büchlein der ewigen Weisheit“, in welchem Gott mit den Menschen Zwiesprache hält, und das sein Leid und seine Tröstungen widerspiegelt. Für dieses Buch musste sich Heinrich auch vor dem Ordensgericht der Dominikaner verantworten. Er bemüht sich alle Menschen zu den Pfaden der Vollkommenheit zu bekehren, doch viele Zeitgenossen haben es ihm schlecht vergolten, was er für sie getan hat. „Wer seine Schriften aufschlägt, wird den zauberhaften Klang seiner Sprache vernehmen und sich willig diesem gütigen Menschen und Mystiker gefangengeben, der ihn vom Kreuz des Welterlösers zum Thron der ewigen Weisheit führt.“ Andreas Zeisler |

